Gründe für weibliche Beschneidung / FGM

 

Es gibt zahlreiche Gründe, warum FGM praktiziert wird, welche von Ethnie zu Ethnie und von Region zu Region variieren.

Die häufigste Erklärung ist die der Tradition. Man tut es, weil man es immer getan hat.
Die Beschneidung symbolisiert das Bekenntnis zu Traditionen und Werten des Stammes und wird mit der gesellschaftlichen Anerkennung der Rolle als Frau belohnt. Vielerorts können sich die Frauen heute noch nicht vorstellen, dass es anders sein könnte. Sie kennen nur beschnittene Frauen.

Die Religion, die immer wieder als Erklärung angeführt wird, ist es eigentlich nicht. Beschneidungen kommen bei Muslimen, Christen, bei Juden und bei Animisten vor. Sie wird aber weder von der Bibel noch vom Koran verlangt, auch wenn das von einigen religiösen Führern manchmal so begründet wird.

Eher sind es tatsächlich ästhetische / hygienische Gründe. In vielen Teilen Afrikas werden die weiblichen Genitalien als hässlich, schmutzig und überriechend betrachtet. Ein unbeschnittenes Mädchen darf daher viele Dinge im Haushalt nicht verrichten, wie z.B. kein Essen für die Männer bereiten. Durch die Beschneidung wird sie rein und eine "richtige Frau". Mancherorts besteht sogar der Glaube, dass das weibliche Geschlechtsorgan nach der Beschneidung schöner aussieht.

Auch ökonomische Gründe spielen eine Rolle. In vielen Ethnien verlangt der Mann noch immer nach einer beschnittenen Frau, eine unbeschnittene Frau kommt oft nach wie vor nicht in Frage für eine Ehe. Um ihren Töchtern eine gesicherte Zukunft zu gewährleisten, unterziehen die Mütter ihre Mädchen somit dieser Praktik. Zudem ist die Familie angewiesen auf das Brautgeld, das sich nach dem Grad der Verstümmelung richtet. Andererseits ist das Beschneiden ein lukratives Geschäft, von dem die Beschneiderin wiederum ihre gesamte Familie ernährt und den Beruf meist nicht freiwillig aufgibt.

Auch der Initiationsritus spielt eine bedeutende Rolle. Die weibliche Genitalverstümmelung ist eine der bekanntesten Initiationsriten und kennzeichnet den Übergang vom Kindes- beziehungsweise Jugendalter ins Erwachsenenalter. Somit hat die Initiation noch heute in einigen Gesellschaften eine hohe soziale Bedeutung und Notwendigkeit, denn erst durch die Beschneidung wird das Mädchen zu einer vollwertigen Frau, erlangt soziale Identität und Anerkennung und befindet sich im heiratsfähigen Alter. Die Initiationsriten werden jedoch unterschiedlich praktiziert, da Organisation, Inhalte und Durchführung abhängig sind sowohl von der jeweiligen Ethnie, Region und Religion.

Die weibliche Genitalverstümmelung dient außerdem der Kontrolle der weiblichen Sexualität. In vielen Gesellschaften wird von der Frau erwartet, dass sie die Ehre der Familie bewahrt und jungfräulich in die Ehe geht. Um dies und ihre Treue zu gewährleisten, wird sie beschnitten. Andere Volksgruppen führen die Praktik durch, weil eine fast zugenähte Vagina das Lustvermögen des Mannes steigern soll. Des Weiteren soll die Beschneidung vor Vergewaltigung und promiskuitivem Verhalten schützen sowie den Mann vor sexueller Überforderung bewahren, wenn dieser mehrere Frauen hat

Letztlich geht es aber um Macht mit Hilfe der Beschneidung der weiblichen Sexualität, die nach Meinung vieler Männer um ein Vielfaches stärker ist, als die ihre. Es geht um die Kontrolle dieser und um die Gewissheit über die Herkunft der eigenen Nachkommen.

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